In stressigen Zeiten Teil 2

Und munter weiter — mit den Kompetenzen 3, 4 und 5.

Hier atmest du ein bisschen durch und lässt die Zügel los. Ausserdem schaust du mal ganz neu auf die triggerndste Aussage der Welt. Und du lernst die nackte Frage kennen, die sich immer immer lohnt.

Veröffentlicht am Kategorisiert als Die drei grossen S
In stressigen Zeiten hilft Raumgeben.


Über die Ruhe des Raums, das unpersönliche Helden-Reisen und Fragen, die Begegnung fördern

#3 Raum geben

Wenn du meine Newsletter-Anmeldung durchlaufen hast, bist du auch bei meinem kleinen Audio über das Raumgeben gelandet.

Es ist so faszinierend mit diesem Raumgeben, ich staune da wirklich täglich darüber.

Unser Verstand ist ja sozusagen eine Optimierungsmaschine.
Er ist perfekt dafür ausgestattet, alle Informationen, die er aufschnappt und aufgeschnappt hat, in irgendwelchen Schubladen unterzubringen, indem er ihnen Bedeutung verleiht.
Und je besser etwas in eine Schublade passt, desto zufriedener und beruhigter ist er.

Man kann ihm da nicht böse sein, so funktioniert er halt.

Wenn jetzt etwas daherkommt, das den Verstand aus der Ruhe bringt, sieht er darin sehr oft gleich eine Handlungsaufforderung. Bring es SOFORT in Ordnung!

Das Problem dabei ist: Unser Verstand bringt SEINE Ordnung in die Dinge.
Dabei hat SEINE Ordnung in den allerwenigsten Fällen etwas mit der WIRKLICHEN Ordnung zu tun.

Ich gebe dir ein Beispiel.

Ich habe diesen echt anstrengenden Nachbarn.
Er wohnt unter mir, er ist ein absoluter Nachtmensch, er singt, feiert, telefoniert lautstark, trampelt durch die Wohnung, besetzt annähernd täglich die Gemeinschaftswaschmaschine mit zwei Socken oder einem Handtuch und zwar auch um 11 Uhr nachts.

Über den habe ich mich eine Zeitlang wahnsinnig aufgeregt.

Unter diesem Nachbarn wohnt eine liebe alte Dame. Sie bekommt dieselben Geschichten mit wie ich. Mit einem weiteren Nachteil: Da sie direkt über der Waschküche wohnt, rüttelt und schüttelt es sie jedesmal, wenn nach 22 Uhr gewaschen wird, ordentlich durch und sie kann nicht schlafen.

Aber hätte sie irgendwann Dampf abgelassen deswegen? Nein. Denn das hab ich für sie erledigt. Ihr Ärger und mein Ärger zusammen in mir — da kann man sich richtig beruhigen daneben!

Also hab ich das gelassen. Mich stattdessen drei Zentimeter zurückgelehnt und Raum gegeben.

Und schau an, was passiert ist:
Seitdem ich mich nicht mehr aufrege, regt sie sich umso mehr auf.
So sehr, dass sie sich nun doch beim Vermieter gemeldet hat.
Der jetzt eine Hausordnung aufgehängt hat. Immerhin.

Es ist Bewegung ins Spiel gekommen.

Bewegung, die ich nicht initiieren und für die ich keine Energie verschwenden musste. Und die viel mehr der WIRKLICHEN Ordnung entspricht.

Es funktioniert erstaunlich gut:
Nicht sofort Verantwortung übernehmen.
Nicht sofort Lösungen finden.
Es nicht sofort reparieren wollen.

Erstmal Raum geben und schauen, was sich darin zeigen will.

#4 Es unpersönlich sehen

Das ist jetzt eine grosse Herausforderung für mich — dieses Kapitel zu schreiben, ohne dass du mich in Gedanken erwürgst.

Denn ja, oh ja: Es gibt für mich nichts Schlimmeres, als wenn jemand in einer Situation, die mir schwer zu schaffen macht, in einem belustigt-herablassenden Ton sagt: „Nimm es doch nicht so persönlich.“

Deshalb bitte ich dich, diese Erfahrung, die du vermutlich kennst, kurz aus deinem Speicher zu löschen und den Satz ganz sachlich zu lesen. Nimm es nicht persönlich.

Dazu muss ich jetzt kurz die Heldenreise bemühen. Die Heldenreise, die in jedem Märchen und Mythos, in den allermeisten Romanen und Filmen, im Tarot und auch im Human Design zumindest auszugsweise auftaucht.

Unser Leben verläuft ein bisschen wie eine Heldenreise.

Wir werden geprägt, angepasst, in unser Umfeld verwickelt.
Entfernen uns von uns selbst.
Merken das erstmal nicht.
Lernen.
Scheitern.
Lernen weiter.
Und stehen irgendwann vor der Frage:
Wer bin ich eigentlich unter all dem?

Das kann zur Krise führen.
Und die Krise ist dann auch die Chance für einen Wendepunkt.
Um die Kurve zu kriegen, zurück zu sich selbst.

Wenn du jede einzelne Erfahrung, die du machst, als etwas begrüsst, das dich zu dir selbst zurück bringen will, kannst du alles unpersönlicher sehen. Du bist aktuell einer von achteinhalb Milliarden Helden auf dem Weg zurück zu sich selbst.

Das Leben schickt dich erstaunlich oft genau dorthin, wo das grösste Wachstum auf dich wartet.

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#5 Nackte Fragen stellen

Es gibt allerhand Arten von Fragen.
Die echten zum Beispiel, deren Antwort du nicht kennst, aber echtes Interesse an ihr hast.
Oder die unechten, deren wahre Antwort dich aus diversen Gründen gar nicht interessiert.

Eine nackte Frage ist eine, die die Antwort wissen will.
Nicht um der Antwort Willen.
Sondern, weil sie am Wesen eines anderen interessiert ist.


Fragen, die über die Denkart des Verstandes hinausgehen. Fragen, in denen sich Menschen wirklich begegnen können. Ohne Absicht. Unschuldig. Sozusagen nackt.

Ich habe eine Bekannte, die sich schwer damit tut, dass ihr Partner überall sein Zeug herumliegen lässt. Seine Unordnung macht sie nervös. Sie hat sogar mit dem Gedanken gespielt, sich zu trennen.

Wir haben mal darüber gesprochen, wie sie damit umgeht. Sie stellt ihm unterschiedlichste Arten von Fragen. Echte und unechte.

Jetzt hat sie es mal mit nackten Fragen versucht. Und festgestellt: Da lernt sie über ihren Partner und über sich gleichermassen viel. Und das verbindet auf einer ganz neuen Ebene.

Plötzlich ging es gar nicht mehr nur um herumliegende Dinge — sondern um Bedürfnisse, Prägungen und gegensätzliche Arten, sich sicher zu fühlen.

Nackte Fragen sind nicht nackt, weil sie auf eine bestimmte Art formuliert sind. Sie werden aus einer bestimmten Haltung heraus gestellt.

Einer Haltung von Offenheit und Bereitschaft, dem Gegenüber wirklich zu begegnen. Mit allen Antworten zu rechnen. Okay damit zu sein, dass die Antwort weh tun kann. Oder etwas offenbart, was man vorher nicht sehen konnte oder sich nicht eingestehen wollte. Und dazu beiträgt, dass man sich gegenseitig dabei hilft, die Wahrheit zu finden.

Ich wünsche uns viele nackte Fragen. Besonders in Zeiten, in denen die Wahrheit sich unter tausend Schleiern versteckt.

Nackte Fragen
helfen beim Heimkommen. Echt.


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