Ich habe sehr lange überlegt, wie ich meine Tätigkeit beschreiben soll. Und habe mich dann für die Human Design-Statikerin entschieden.
Ich könnte mich auch Human Design-Guide nennen. Aber das klingt für mich immer so nach Reiseleitung. Und das trifft es nicht.
Wenn ich mit dir auf deine Körpergraphik schaue, führe ich dich nicht, schwenke keine Regenschirme und spreche nicht ins Mikrofon.
Ich sitze einfach an meinem Küchentisch, mit deiner Körpergraphik in der Hand. Es fasziniert mich jedes Mal, wie sie sich zu entfalten beginnt. Meine Aufgabe ist dann nur noch, Worte für das zu finden, was ich sehe.
Ich wünsche mir, dass du hörst, wie du dich selber führen lernst.
Ich könnte auch schreiben, dass ich Human Design-Analytikerin bin. Ganz korrekt wäre es nicht, weil mir noch die letzte Prüfung fehlt. Und gleichzeitig merke ich: Es zieht mich dort nicht hin.
Mich zieht es an den Küchentisch.
Zu den Momenten, die echt sind.
Nicht cool, nicht hip, nicht Hochglanz.
Ohne Geheimclubsiegel, ohne Bewerbungsprozeduren, ohne 4%-Gerede. Ohne feierlichen, geheimnisvollen oder überschwänglichen Human Design-Sprech, den man jetzt überall hört.
Einfache, echte, klare Momente.
Ich habe diesen Küchentisch. Wer sich eingeladen fühlt, soll kommen.
Bei dem Begriff Analytiker denke ich an Sigmund Freud und eine Couch. Das ist eine eigene, wichtige Welt. Aber nicht meine.
Ich kenne mich doch einfach nur mit deiner Körpergraphik aus.
Da schau ich hin.
Unerschrocken. Ziemlich nüchtern.
Mit einer begeisterten Freude an der Schönheit, die darin steckt.
Während ich schaue, passiert es ganz von selbst.
Mein Verstand beginnt, den verschiedenen Spuren zu folgen.
Sich auf der Karte zurechtzufinden.
Zu erkennen, was trägt.
Und wo du vielleicht noch unnötig Lebenskraft verschenkst.
Was dich trägt, ist auch das, was du für deinen Weg brauchst, ohne dich dabei ans Kreuz genagelt zu fühlen.
Was nicht trägt, lenkt dich zunächst von dir weg. Und kann später zu deinen grössten Schätze gehören.
Mich interessiert deshalb nicht zuerst dein Potenzial.
Mich interessiert dein Fundament.
Ein stabiles Fundament spart Lebenskraft. Weil du immer weniger Energie dafür brauchst, gegen dich selbst anzuleben.
Und es sorgt dafür, dass du weniger dafür tun musst, als du denkst, damit sich dein Potenzial entfalten kann.
Komm also nicht zu mir, wenn du dich nur feiern willst.
Wenn du einen Push für dein Selbstbewusstsein brauchst, der eh nicht lange anhalten würde.
Komm lieber, wenn du sagst:
Es reicht jetzt. Ich bin mir langsam zu schade dafür,
mich müde und zerrissen zu fühlen.
Ich will lieber mal wissen, warum es so ist.
Mein Human Design-Profil ist 1/3.
Ich stecke in der Haut einer Ermittlerin, die aus gelebter Erfahrung lernt. Und dafür muss sie immer wieder in den Keller steigen. Sie muss, sie hat gar keine andere Wahl.
Sie geht dorthin, wo man sich vielleicht ein bisschen unbehaglich fühlt. Und am liebsten schnell wieder hochlaufen würde.
Da schaut sie, wo etwas instabil ist.
Und wie man es wieder tragfähig machen kann.
Das ist die Arbeit einer Statikerin.
Es ist gar keine Berufsbezeichung.
Es ist das, was ich bin.
Ich will, dass du stabil und sicher stehst.
Nicht perfekt. Das ginge nicht.
Aber so, dass du dich immer besser auf dich verlassen kannst.
Ich bin Lili.

Und sitze so gern am Küchentisch.
Von dort ist es nur ein Sprung zur Kellertür.
Und im Keller fühle ich mich auch daheim.
Weil ich die Dunkelheit nicht mehr so fürchte.
Weil da unten Gefährten sitzen, die man nicht auf den ersten Blick erkennt.
Und weil der Keller das Fundament ist, auf dem alles ruht.
Setz dich dazu.
Bei der Tür auf dem Beitragsbild handelt es sich um ein Foto von Tim Mossholder auf Unsplash. Danke, Tim!