Der Köter an der Wade
Ich weiss, ich weiss.
Du musst nicht die Augen verdrehen.
Ich schon wieder mit den offenen Zentren.
Manchmal beisse ich mich fest.
Wie ein kleiner Köter.
Er sieht nett aus und nimmt dein Leckerchen an, lässt sich hinter den Ohren kraulen und wedelt sogar ein bisschen mit der Rute, wenn du den Raum betrittst.
Aber wenn er sich festbeisst, dann richtig.
Die offenen Zentren zu verstehen ist praktisch die Garantie dafür, deine hinderlichen Muster langsam aufzudecken.
Muster, die die natürliche, gesunde Spiralbewegung des Lebens zu einer anstrengenden, nervtötenden, zu Tode langweilenden Dauerwerbesendung verkümmern lassen.
Mit einer überschminkten Moderatorin, deren Stimme so unangenehm in den Gehörgängen kreischt, dass du dir ernsthaft überlegst, zum allerersten Mal einen schneidenden Hasskommentar in den Sozialen Medien zu hinterlassen.
Ich mach es kurz, versprochen.
Das offene Ego
Wenn dein Wert Verhandlungssache ist.
Du hast ein Thema mit deinem Selbstwert.
Irgendetwas oder irgendjemand in deiner Kindheit hat dir den Eindruck vermittelt, dass du etwas leisten musst, um liebenswert zu sein.
Und so hast du begonnen, immer mehr leisten zu wollen.
Wie ein Marionettchen, dessen Fäden in der Hand eines Riesen liegen, hast du so lange getanzt, bis etwas in dir gerissen ist.
Das lose Ende versperrt dir bis heute die Sicht.
Das offene Emotionalzentrum
Wenn Frieden wichtiger ist als Wahrheit.
Du hast Mühe mit Konflikt.
Und weil das Leben aus gutem Grund aus inneren und äusseren Konflikten besteht, beginnst du, dich zu verstecken. Vor der Welt. Und vor dir selbst.
Irgendwann machst du die Augen auf und stellst fest, dass du auf die allereinfachsten Fragen keine Antwort mehr weisst. Und dass du gar nicht verstehen kannst, wie du dir so vollständig abhanden gekommen bist.
Das offene Selbst
Wenn du glaubst, dich finden zu müssen.
Dein Fokus liegt darauf, etwas zu sein.
Aber etwas zu sein, macht auch Angst.
Denn es könnte ja das Falsche sein, wofür du dich entschieden hast.
Und dann geht er weiter, der wilde Ritt.
Von einer Identität in die nächste. Und die nächste. Und die nächste.
Ein Karussell mit schiefer Jahrmarktmusik, das sehr schwer zur Ruhe kommt.
Die offene Milz
Wenn Sicherheit die Lebendigkeit lähmt.
Sicherheit geht über alles.
Ganz egal, wie krank es dich macht — Loslassen ist keine Option.
Wenn jemand festhalten kann, dann du.
Du klettest an Menschen, an Jobs, an Situationen.
Jahrzehntelang.
Und während alle anderen längst die Köpfe schütteln, freust du dich immer noch:
Hach, Sicherheit.
Wie sicher die sich anfühlt.
Das offene Ajna
Wenn Überzeugungen starr werden müssen.
Mentale Ruhe ist dir wichtig.
Die findest du aber nur, wenn du dich dazu durchgerungen hast, an etwas zu glauben.
Felsenfest. Davon bringt dich nichts mehr ab.
Nein. Nein.
Komm mir nicht mit Überzeugungen, ich habe meine eigenen.
Und meine Ruhe riskiere ich nicht.
Der offene Kopf
Wenn alles gedacht werden muss.
Tausend schwere Steine fallen auf den Grund des klaren Sees.
Und stapeln sich dort zu sperrigen Türmen auf.
Denn du kümmerst dich. Gedanklich. Um alles.
Fragen, Zweifel und Verwirrungen finden bei dir einen guten Platz.
Der andere geht ganz erleichtert heim.
Und der See?
Sieht den Grund nicht mehr.
Die Türme wackeln vom Gewicht dieser Welt.
Die offene Wurzel
Wenn das Atmen auf später verschoben wird.
Du jagst der Illusion hinterher, irgendwann nichts mehr zu tun zu haben.
Dich hinlegen zu können.
Die Augen zu schliessen.
Durchzuatmen.
Die Pause kommt nie.
Das Leben hat sich aus reinem Selbstzweck entschieden, dich möglichst auf Trab zu halten.
Das nimmst du persönlich und rollst die Hemdsärmel hoch —
wie Rocky Balboa mit Schweissband im Haar.
Das offene Sakral
Wenn du dich verkaufst, um bemerkt zu werden.
Bemerkt zu werden ist eine Notwendigkeit.
Und bemerkt wirst du, wenn du auffällst.
Für aussergewöhnliche Sexyness.
Oder dafür, das perfekte Arbeitsvieh zu sein.
Ein Duracell-Häschen ist nichts gegen dich.
Klong. Klong. Klong.
Die kleine Trommel im Dauereinsatz.
Da bist du last man standing.
Man kann dich gar nicht übersehen.
Doch dann geht dir auf, dass das total und komplett zerstörerisch ist.
Und du gar nicht weisst, wie du damit aufhören sollst.
Denn was an dir ist sonst bemerkenswert?
Die offene Kehle
Wenn du dir selbst davonspringst.
Über deinem Kopf schwebt ein neonroter Pfeil, der blinkt.
Und manchmal schrille Töne von sich gibt.
Ich bin hier! Ich bin hier! Ich bin hier!
Das kann ganz schön laut werden.
Und bringt dir sogar, was du dir wünschst.
Aber ganz anders, als du es willst.
Was die offene Kehle sich wünscht, ist Aufmerksamkeit.
Aber doch nicht so!
Doch nicht so, dass du dich danach in Grund und Boden schämst.
Und dich fragst:
WHAT THE FUCK??
War das gerade wirklich ICH???
War doch halb so schlimm.
Hat nur vier Minuten gedauert, sagt WordPress.
Jetzt, wo der Köter sich verbissen hat, kann er noch eins drauflegen:
Die Offenheiten stehen nie für sich allein.
Die reichen einander die Hände und packen kräftig zu.
Zum Beispiel so:
Du verlierst dich selbst, weil du tragischerweise glaubst:
Wenn du dich wirklich finden würdest, wärst du nicht genug. Deshalb verlierst du dich lieber weiter aus den Augen, aus dem Sinn.
Und kannst damit nicht aufhören.
Oder du suchst und suchst nach einem Weg, der dir das Gefühl gibt, etwas zu sein, was dich so in einen Daueraktionismus bringt, dass du gar nicht mehr zur Ruhe kommst.
Oder dich komplett einfrieren lässt.
Oder du bist so beschäftigt mit den Fragen, Zweifeln und Unsicherheiten der grossen, weiten Welt, dass du gar keine Kapazität mehr hast zu überlegen, ob das irgendwas von Wert zu deinem eigenen Glück beiträgt. Und musst dann am Stammtisch deine Löcher stopfen. Wofür du dich am nächsten Tag zerfleischst.
Unter all dem
Ich weiss, ich weiss. Du musst nicht die Augen verdrehen.
Vage Aussagen, die auf alle zutreffen.
Da bist du doch nicht gemeint.
Weisst du, ich vermisse dich so sehr.
Unter all dem steckt ein Wunder.
Ein Goldschatz.
Einzigartig leuchtend, voller Potential.
Eine Welt mit achteinhalb Milliarden Goldschätzen, das wär doch mal was.
Ich lass los.
Trotte aus dem Zimmer.
Warte am Küchentisch.
Setz dich dazu.
Ich bin Lili.

Und meinen offenen Zentren seit 6 Jahren auf der Spur.
Sie beissen sich genauso fest, wie ich mich festbeissen kann.
Und deswegen mag ich sie. Weil sie oft nichts anderes brauchen als Zuwendung. Und dann plötzlich zeigen, was sie können. Im allerbesten Sinn.
In meiner Küchenrunde sehen wir uns die Zentren an. Und noch einiges anderes, was hilfreich ist, um sich auf die Spur zu kommen.
Wenn dich das anspricht, schreib mir.
Warum die definierten Zentren es auch nicht so leicht haben, erfährst du hier.
Und schau hier, wenn du wissen willst, welche deiner Zentren offen sind.