Anti-Aging von innen — weil das Leben zu kurz ist, um sich alt zu fühlen.
Ein Gespräch mit Aneta Marczuk, Heilpraktikerin, Entspannungstherapeutin und ayurvedische Masseurin
Wie es zu diesem Gespräch gekommen ist
Es gibt zwei Slogans, die einem in der Online-Coaching-Szene seit Jahren um die Ohren fliegen. Vorzugsweise live aus dem Zimmer eines Fünfsternehotels.
„Verlass endlich deine Komfortzone.“ Und: „Du bist nicht deine Geschichte.“
Aneta hat dagegen angeschrieben. Ganz ohne Hotel im Hintergrund.
Sie schrieb: Deine Komfortzone ist dein Fundament, nicht dein Feind. Und: Erzähl dir deine Geschichte so lange, wie du sie brauchst — bis sie sich von alleine auserzählt hat.
Das hat mich interessiert. Weil ich schon lange nichts mehr so Echtes zu lesen bekommen habe auf Facebook. Ich wollte wissen, wer die Frau hinter den kraftvollen Aussagen ist.
Was folgte, war ein langer, intensiver, wertschätzender Austausch. Und irgendwann war klar: Das gehört in die Kategorie „Die drei grossen S“. Denn Aneta kann für andere da sein kann, weil sie weiss, wie wichtig es ist, für sich selbst da zu sein.
„Ich habe gelernt, dass der Körper immer recht hat.“
Was führt Menschen zu dir — und was suchen sie wirklich?
„Die meisten kommen mit einem körperlichen Thema. Schmerzen, Erschöpfung, das Gefühl, nicht mehr richtig zu funktionieren. Aber wenn man genauer hinschaut, geht es fast immer um dasselbe: Die Menschen haben aufgehört, sich selbst wahrzunehmen. Sie übergehen den Körper schon so lange, dass er anfängt zu schreien.“
Aneta hat dafür eine klare Haltung: Der Körper ist kein Problem, das man löst. Er ist ein Barometer. „Viele sagen: Ich arbeite so viel an mir, ich mache das und das — aber nichts hilft. Und genau da liegt der Unterschied: an sich arbeiten oder mit sich arbeiten. Das klingt ähnlich. Es ist aber das Gegenteil.“

„Menschen sind keine Wahl — sie haben eine Wahl.“
Was sollen die Menschen bei dir entdecken?
„Sich selbst, zuerst. Und dann das: dass sie immer eine Wahl haben.“
Dieser Satz ist ihr wichtig. Nicht als Motivationsslogan, sondern als tiefe Überzeugung. „Gerade Frauen verharren in Dingen, die längst zu klein geworden sind. In Beziehungen, in Rollen, in Mustern, die sie von ihrer Mutter übernommen haben oder weil es einfach die Norm war. Nicht aus Bequemlichkeit. Aus Angst. Aus dem Gefühl, dass es keine Alternative gibt.“
Ihre Arbeit beginnt genau dort: die Menschen daran zu erinnern, dass Veränderung möglich ist. Nicht im Sinne von „Pack die Koffer und fang neu an!“ — sondern: Du darfst auch anders denken, als du bisher gedacht hast.
„Höher, schneller, weiter — und dann?“
Du arbeitest viel mit Frauen. Was beobachtest du?
„Ich habe so viele Frauen gesehen, die es ‚geschafft‘ haben. Die neben Familie, neben Kindern, neben allem noch ihr eigenes Ding aufgebaut haben. Café, Massagestudio, Praxis. Und wenn man sie zehn Jahre später sieht — dann sind sie körperlich am Ende.“
Das sei kein Argument gegen Selbstverwirklichung. Sondern gegen den Preis, den viele dafür bezahlen. „Es geht immer um die Frage: Zu welchem Preis? Will ich wirklich einer Sache hinterherhechten und dabei meine eigene Gesundheit ruinieren? Das ist nicht Stärke. Das ist die alte Geschichte vom Funktionieren-Müssen, in einem neuen Gewand.“
Anetas Bild dafür ist eindeutig: „Du kannst von Flensburg nach München mit dem ICE rasen — sieben Stunden, du bist da. Oder du fährst mit dem Auto, hältst an, schaust dir etwas an. Oder du gehst zu Fuss. Es geht um das Spielen mit dem Tempo. Nicht darum, ob du ankommst.“

„Die Freude ist immer da — sie wird nur überdeckt.“
Was verstehst du unter der Freude der Frau?
„Sie ist nicht laut. Sie ist nicht immer sichtbar. Und sie hängt nicht davon ab, ob du gerade erfolgreich bist, ob du eine Beziehung hast, ob du dich selbst verwirklicht hast.“
Für Aneta ist die Freude der erwachten Frau eine tiefe Zufriedenheit — eine Sicherheit von innen, die nicht zusammenbricht, wenn etwas im Aussen wegfällt. „Es gibt Frauen, bei denen zieht ein Jobverlust oder eine Trennung den kompletten Boden weg. Und es gibt Frauen, die trauern auch, die hauen auch mal auf den Tisch — aber danach finden sie wieder zurück. Diese Stabilität ist nicht Gleichgültigkeit. Das ist das Gegenteil davon.“
Und wie pflegt sie diese Freude bei sich selbst? Die Antwort berührt: „Ich pflege sie eigentlich gar nicht. Sie ist einfach da. Ich habe irgendwann begriffen, dass Freude und Vitalität unser Grundzustand sind. Alles andere sind Schichten darüber. Was ich tun kann — und was ich getan habe — ist, Dinge loszulassen, die längst abgeschlossen sind. Freundschaften, Situationen, Muster. Auch wenn das manchmal wehtut.“
Was steckt hinter „Anti-Aging von innen“?
Dein Slogan klingt nach Kosmetik. Hat es was damit zu tun?
„Nein.“ Sie lacht. „Es geht darum, sich die Lebenskräfte besser einzuteilen. Nicht alles auf einmal verbrauchen, solange man jung genug ist, um es mit Schlaf zu kompensieren — und dann mit 45 dastehen und nicht mehr wissen, was man eigentlich will.“
Aneta glaubt nicht an das Standardmodell von Erfolg: Ziele setzen, Komfortzone verlassen, Tempo erhöhen. Sie glaubt an etwas Weicheres, aber Langfristiges: dass Weisheit Zeit braucht. Dass Frauen nicht mit 35 alles verwirklicht haben müssen. Dass das Leben nach 50 noch ganz viel Raum hat — wenn man sich vorher nicht aufgebraucht hat.
„Das Weibliche wird in unserer Gesellschaft nach wie vor unterdrückt — in Frauen und in Männern. Diese rezeptive, zuhörende, fliessende Seite. Die ist nicht schwach. Sie ist enorm klug. Sie weiss, wann es genug ist. Sie weiss, wann es Zeit ist innezuhalten.“
Zurück in die Freude!
Was Aneta macht, halte ich für eine der wichtigsten Aufgaben heutzutage: Sie erinnert Menschen daran, dass sie schon sind, was sie suchen. Dass der Körper kein Gegner ist, sondern ein Verbündeter. Dass Freude kein Ziel ist, das man erreicht — sondern ein Zustand, zu dem man zurückkehren darf.
„Anti-Aging von innen“ meint genau das: nicht jünger aussehen. Sondern aufhören, sich innerlich alt zu fühlen — bevor man überhaupt angefangen hat zu leben.



Aneta Marczuk ist Heilpraktikerin, Entspannungstherapeutin und ayurvedische Masseurin. Du findest sie unter antiaging-von-innen.de
Alle Bilder in diesem Beitrag sind von Anetas Facebook-Seite gemopst oder von ihr persönlich zur Verfügung gestellt worden. Danke, Aneta!
Ich bin Lili.

Und hab Anetas Frage „Zu welchem Preis?“ an die Wand neben den Küchentisch gehängt.
Ich feiere jeden Menschen, der sich erlaubt, seine ganz eigenen Vorstellungen von Freude und Erfolg in seinem Leben umzusetzen — auch wenn die Antwort auf „Zu welchem Preis?“ manchmal eine unbequeme ist.
Wenn du Lust hast, dich mit mir über deine Geschichte, deine Erfahrungen und Erkenntnisse zu unterhalten und hier auf Kontinent 8 ein Plätzchen einzunehmen (eins am Küchentisch, eins aus dem Ofen inklusive), melde dich bei mir. Ich freu mich schon darauf!